Was ist Somatic Release

Eine jüngst veröffentliche Studie  von der Aalto University, Finnland,   zeigte Farbaufnahmen von Temperaturbereichen  am Körper, aufgenommen erwärmten den Torso bis hinunter zum Becken, das Gefühl Ärger zeigte Wärme nur bis zur Leber. Angst und Depression hingegen kühlten den Körper ab. In dieser Studie war eine deutliche Korrelation zwischen Gefühlen und Körperreaktionen zu erkennen.

Auch eine ursprünglich von Neuro-Wissenschaftler Antonio Damasio  erforschte These zeigt, zeigt, dass der Körper die Bühne der Gefühle ist. Zusammenfassend bedeutet dies: ein Gefühl wird erst dann für das Gehirn verifiziert, wenn sogenannte „somatische Marker“ die Anfrage des Gehirns bestätigen. Diese Marker sind Bereiche am Körper und sind überwiegend auf einer Achse zwischen Hals und Symphyse lokalisiert, was auch die oben genannten Wärmebildaufnahmen bestätigen.

Emotionen sind Reaktionen des limbischen Systems. Diese werden intrinsisch oder extrinsisch, also durch innere Gedankengänge oder Sinneswahrnehmungen ausgelöst.

Das bedeutet in der Folge, die Verbindung von Denken und Körper ist mehr verzahnt als man lange annahm. Die Denkvorgänge im Gehirn basieren auf einer intensiven Geist-Körper-Geist Rückkopplung. Unreflektiert sind diese Vorgänge autonom und unbewusst. Genau darin bieten neue Lösungsmöglichkeiten in der Behandlung:

  • Körperliche Themen können durch Unterstützung mit mentalen Techniken leichter behandelt werden
  • Mentale Themen können durch die Unterstützung mit manuellen Behandlungsmethoden gelöst werden
  • Durch die Analyse körperlicher Spannungsmuster können Hinweise zu Gefühlen und deren im Körper verfestigten Gedankenmustern erschaffen werden.

Die von der Osteopathin Uschi Föhrweiser – Wesolek und dem Coach Markus Röder entwickelte Behandlungsmethode des Somatic Release folgt genau dem Ansatz, Geist und Körper in der Verbindung wahrzunehmen und mittels spezieller Release Techniken, somatische Bereiche zu öffnen und die körpereigene Informationsverarbeitung zu unterstützen. Mit Hilfe verschiedener mentaler Formate, die speziell für diese Arbeit entwickelt wurden und besonderer manueller Behandlungsmethoden werden Emotionen als Körperinformationen verarbeitet, ohne dass traumatische Ereignisse wieder ins Bewusstsein  gebracht werden müssen.

Neuronale Schlaufen

Unser Gehirn empfängt Informationen aus der Außenwelt über unsere Sinnesorgane. Was wir sehen, hören, riechen, schmecken und über unsere Haut fühlen wird mit dem inneren Erinnerungsspeicher abgeglichen und ausgewertet. Erkennt das Limbische System, unser Erinnerungsspeicher, die Situation als Gefahr, wird ein Reaktionsmuster ausgelöst: Das autonome Nervensystem aktiviert den sympatischen Anteil zur Vorbereitung auf eine Flucht,- oder Kampfreaktion mit  einer Anregung von Herz und Kreislauf, Atmung, Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol und einer Spannungserhöhung in den entsprechenden Muskeln um unsere Anpassungsfähigkeit in der Gefahrensituation kurzzeitig zu erhöhen. Unser Gehirnanteil für bewusste Wahrnehmung und Kontrolle, insbesondere der Frontallappen, werden dabei gehemmt.

Unser Organismus besitzt dafür grundlegende Fähigkeit der Kompensation verschiedener äußerer oder innerer Impulse. Ist die Einwirkung, wie z.B. ein traumatisches Ereignis zu intensiv, zu viel oder zu schnell, wird der Organismus  überfordert und die „Reaktionsmuster“ werden dabei im Körpergewebe wie Muskeln oder Faszien festgehalten. Gut zu beobachten ist dies bei Tieren wie z.B. der Maus in Schockstarre vor der Katze oder dem Kaninchen vor der Schlange. Ist die Gefahr vorüber, kommt es zu einer Entladungsreaktion, was sich oft durch Zittern bemerkbar macht. Peter Levine beschreibt in seinem Buch „Sprache ohne Worte “ den natürlichen Umgang mit Gefühlen und die Bedeutsamkeit, die Gefühle zu fühlen, anstatt diese mit Gedanken zu verdrängen.Somatic Release übernimmt die Ansätze des Traumaforschers.

Um diese Reaktionen auszulösen zu können, benötigt das Denken keine reale, gegenwärtige Situation. Allein die Erinnerung an die gespeicherte Erfahrung kann diese Reaktionskaskade auslösen und physische und/oder emotionale Stressmuster erzeugen.

Bleibt der Zustand über längere Zeit bestehen, weil  z.B. kein Ausweg aus der Situation sichtbar ist, oder weil sich das Problem, welches aus der Vergangenheit in die Zukunft projiziert wird in der Gegenwart nicht lösbar ist, wird der Organismus krank. Für die Aufrechterhaltung der Stressmuster wird viel Energie benötigt. Diese stehen dem Körper dann nicht mehr für nötige Reparaturarbeiten, für die Immunabwehr oder Aufbauprozesse zur Verfügung.

Gleichzeitig regen Gedanken das Gehirn zur Bildung von Botenstoffen an durch welche die Informationen in den Körper gelangen. Dieser antwortet dann mit einem Gefühl wie Ärger, Angst, Wut, Hilflosigkeit, Scham, Schuldgefühl etc. Wird dieser Ablauf häufiger wiederholt, entsteht eine Reaktionsschlaufe, deren Ursache oft weit in der Vergangenheit liegt, mit Beeinflussung von Körpergewebe und Zellen bis in die DNA. Dies belegen vielfach auch Studien aus der Forschungsrichtung der Epigenetik.

Spannungsmuster erkennen

Eine bedeutsame Funktion des Körpers ist es daher, wichtige Strukturen oder erkrankte Bereiche  zu schützen. Der Organismus erhöht dazu die Spannung in den umliegenden Muskeln oder Faszien.

Mit Hilfe  osteopathischer Techniken können die Bereiche erhöhter Spannung im Körper mit den Händen gefunden werden. Frank Lowen, ein Osteopath aus den USA  entwickelte eine manuelle  Methode  gezielt mit dem betroffenen Körpergewebe in Kontakt zu kommen. Er bezeichnet diese Technik als „Engaging“. Dabei klinkt sich die Hand in das betroffene Gewebe ein ohne dass Druck auf das Gewebe ausgeübt wird. Körpereigene Rhythmen und andere Informationen können dadurch ungehemmt gefühlt und interpretiert werden.

Jedes Gewebe bis hinein in jede Zelle bewegt sich in einem eigenen Rhythmus. Diese feinen Bewegungen sind dazu da die Körperfunktionen aufrecht zu erhalten.  Physischer oder Psychischer Stress bewirkt im Organismus nicht nur eine erhöhte Spannung im Gewebe, sondern auch eine Veränderung der Rhythmen.

Für Therapeuten, die mit Somatic Release arbeiten sind diese Verbindungen mit den Händen spürbar. Tests am Cranium und inden betreffenden Körperbereichen geben hinweise ob das Thema zum Limbischen System oder zum Stirnlappen gehört, und ob es sich hierbei um ein emotionales oder eher mentales Problem handelt.

Gefühle und mentale Muster  im Körper lösen

Erkennt man die Strukturen des Körper-Gehirn-Systems kann man gezielt den „Release“ im Körper aktivieren. Somatic Release ist eine Verbindung aus mentalen Aktivierungen und manueller Lösung der festgehaltenen Spannungen. Wenn das Zittern oder die Bewegung wieder beginnt, verändern sich Gedanken und Gefühle und oft  wird das verdrängte Gefühl auch nochmals kurz gefühlt. Und wenn das „richtige“ Gefühl durchfühlt ist, dann ist es vorbei und der Körper kann wieder in seine normale Motilität oder Beweglichkeit übergehen, ohne Spannungen in den somatischen Bereichen aufbauen zu müssen.

Fazit

Somatic Release ist eine gelungene Integration von zwei verschiedenen Ansätzen. Gemeinsames Ziel ist psychische wie physische Gesundheit. Doch ist es erst ein erster Schritt und wir können in dieser Richtung noch viel mehr lernen und neue Verfahren entwickeln. Somatic Release ist eine gute Grundlage, weil es sowohl in der manuellen Arbeit als auch in der mentalen Begleitung bereits in die Feinstruktur schaut, und die Bausteine der Körper-Geist-Intelligenz bereits benennt.