Familiengeheimnisse in Aufstellungen

In der Vorbereitung für den nächsten Block für unsere systemische Aufstellungs Ausbildung haben wir das Thema Familiengeheimnisse und Geheimnisse in Unternehmen gerade im Fokus. Nach fast 15 Jahren Aufstellungserfahrung haben wir dabei auch ein Resümee gezogen. Denn gerade Geheimnisse verzerren die Lokalität des Feldes und verstärken die Wirkung die das Geheimnis eigentlich verstecken will. Doch die Wirkung kommt verzögert. Verzögert manchmal über Generationen hinweg. Und statt leichter zu werden, wird es oft heftiger.

Ein Beispiel: Eine Frau verliebt sich in der Nazizeit in einen Juden und bekommt ein Kind von ihm. Das alleine ist schon für eine Deutsche aus Sicht des Regimes Verrat. Daher sucht die Familie jemanden, der als offizieller Vater mit deutscher Nationalität steht. Die Trauer der Frau über den Verlust ihrer Liebe wird mit der Sorge um ihr Leben und das ihres Kindes kompensiert. Aber sowohl ihre Herkunftsfamilie, die dieses Arrangement eingefädelt hat, als auch die Frau reden nicht mehr darüber. Es darf ja keiner wissen. Und der Nachbar ist Blockwart und würde das sofort mitbekommen. Also wird die Wahrheit unterdrückt.

Das Kind wächst auf und wird Zeit seines Lebens vielleicht ein unbestimmtes Gefühl entwickeln, nicht richtig zu sein. Der Blick, der in den Augen der Mutter ist, drückt etwas aus. Die Beziehung von Vater und Mutter zum Kind wird gefühlt nicht ganz richtig sein. Die Wahrheit ist verzerrt. Das Familiengeheimnis zeigt seine Wirkung.

Später findet das Kind, nun selbst eine junge Frau, Partner. Aber keiner der Partner kann ihr gerecht werden. Keiner bleibt und immer wieder muss sie sich mit starker Trauer bis hin zu Depression auseinandersetzen. Ihr eigenes Kind wächst ohne Vater auf und sie erzählt auch dem Kind nicht vom Vater. Sie verzerrt selbst diese Wahrheit.

In systemischen Aufstellungen bekommen wir solche und ähnliche Geheimnisse immer wieder. Doch in der einer Aufstellung ist die Wahrheit näher. Und oft zeigt sich plötzlich etwas, das keiner sehen will. „Mein Vater ist nicht mein Vater“ Ich habe mich immer schon gewundert, warum ich kaum was von ihm habe. Wir versuchen dabei nicht zu spekulieren. Sondern das System sagt: Hier stimmt etwas nicht! Mit dieser Aufgabe schicken wir dann die Teilnehmer nach Hause diese versteckten Informationen doch noch auszugraben. Und immer wieder kommen die Teilnehmer zurück und erzählen uns von Geschichten, die dann eine Tante oder ein weiter entfernter Onkel erzählt, die plötzlich die Wahrheit in ein anderes Licht setzen. Das kann zunächst tragisch sein, doch wenn es gesehen wird, dann kann es gehen. Körperliche Symptome sind oft Träger. Kinder und Enkel kommen mit Makeln auf die Welt, die eigentlich genau das ausdrücken. Ich darf nicht sein oder ich darf nicht gesehen werden. Neurodermitis oder Verschiebungen im Körperbau zeigen manchmal genau das an.

Nicht alles muss sofort ausgesprochen werden. Aber unsere Erkenntnis ist, dass die Wahrheit ein wichtiges Punkt ist. Und je mehr Bindung und Liebe ist, desto mehr Wahrheit braucht das System. Ansonsten wird die Liebe daran zugrunde gehen! Lasst keine Familiengeheimnisse entstehen!

 

Hier auch ein spannender TED Talk zum Thema: