Der „O“ Effekt

Warum wir nicht aufhören können etwas unerledigtes zu erledigen? Und das anscheinend über systemische Familiengrenzen hinweg. Immer auf der Suche nach Lösungen für Probleme, die unsere Ahnen schon hatten. Der O-Effekt beschreibt viel Über die Entstehung der epigenetischen Probleme. Aber erste einmal ganz von vorne:

Was würdest Du sagen, wenn wir von Potentialen in deinem Kopf reden? Sicher etwas anderes als was wir erforscht haben: Wir haben uns mit dem Ovsiankina-Effekt beschäftigt oder kurz von uns O-Effekt getauft. Dieser Effekt baut auf den Forschungen der allgemeinen Feldtheorie und ihren Feld-Potentialen auf und hat viel Einfluss auf  das menschliche Verhalten. Und gerade für Coaches ist dies wichtig, da  ansonsten bestimmte Coachingprozesse für die Katz‘  sind. Aber dazu später. Erst einmal zu der Effekt-Theorie und Ihrer Erforschung.

Der Osviankina Effekt (von Maria Ovsiankina)

und warum es wichtig ist, Dinge abzuschließen!

1927 hat die Forscherin Bijuma Zeigarnik den nach ihr benannten Zeigarnik-Effekt in Studien beschrieben. Dieser besagt, dass man sich an unabgeschlossene Aufgaben besser erinnert als an abgeschlossene. Leider konnte dieser Effekt lange nicht genügend wissenschaftlich fundiert werden und wurde teilweise widerlegt. Erst die Forscherin Maria Ovsiankina konnte 1950 darauf aufbauend einen spezifizierten Effekt beschreiben: Bei Unterbrechen und Wiederaufnahme einer Handlung. ergibt sich eine deutliche Tendenz, eine unterbrochene Handlung wieder aufzunehmen, wenn das Handlungsziel vorher noch nicht erreicht wurde. Oder ganz einfach: Wenn Du ein Level im einem Computerspiel kurz vor Schluss verloren hast, dann ist die Tendenz das zu wiederholen sehr hoch!

Mit Kurt Lewins Feldtheorie würde man das als aufgebautes Spannungspotential beschreiben, das nach Abbau drängt. Daher führt dieser O-Effekt auch zu einem besseren Erinnern der unterbrochenen Handlung gegenüber den erledigten Handlungen. Der Ovsiankina-Effekt besagt zudem, dass eine zuvor unterbrochene Aufgabe auch ohne Anreizwert ein Bedürfnis auslöst, die Aufgabe wieder aufzunehmen. Weitere Untersuchungen wurden von den Lewin-Schülerinnen Käte Lissner und Wera Mahler aufgenommen. Diese zeigten dass die Wiederaufnahmetendenz dann nicht zum Tragen kommt, wenn es durch eine geeignete Ersatzhandlung zu einer Entspannung des Systems kommt.

Oder in einfachen Worten ausgedrückt. Manchmal tut man etwas, ohne dass es dem aktuellen eigenem Bedürfnis entspricht. Der Wunsch dabei ist ein «altes» Spannungsmuster abzubauen, dass mit einem Ziel in Verbindung steht, das längst nicht mehr bewusst ist. Und dieses Spannungsfeld kann, je nach Gehirnbereich in dem es aktiviert wurde, zeitlos sein. Wir denken da vor allem an die emotional fest geprägten Muster der Erlebnise, die wir im limbischen System emotional abgespeichert haben. Also wenn einem Gewalt angetan wurde, dann versucht man dieses Ereignis zu beenden, indem man den Kampf zu Ende führt. Doch was ist wenn nach 10 Jahren der Täter nicht mehr greifbar ist? Dann ist das Potential aber immer noch aktuell im Gehirn vorhanden, und hat seitdem eigene Neuronen-Netzwerke erschaffen, die nur auf der Suche nach Lösungen zu diesem Thema sind. Gewalt schafft Gewalt oder Flüchtlinge. Den Flucht und Kampf – in dieser Reihenfolge – sind die Reaktionen des Sympathikus, der in diesem Fall mit dem Feldpotential verbunden ist.

Systemische Komponente des Ovsiankina Effekts

Betrachen wir jetzt noch die systemische Regeln dann geht dieser Effekt über Generationen hinweg. Denn in einer Familie lernen wir die Muster. Wir reden vom Erbe der Muster. Damit erzeugt also ein Spannungsfeld der Eltern, dass in der Familie vorher nicht gelöst worden ist, im Kind den gleichen Druck eine Lösung herbeizuführen. Die Feldtheorie von Lewin beschreibt genau dieses Prinzip.

Das Problem dabei ist, dass das Ziel, was gelöst werden soll meist nicht mehr im Kontext vorhanden ist. Doch der Wunsch nach Lösung ist es immer noch. Ein Beispiel: Ein Klient von mir kam mit Herzbeschwerden, immer wenn er nicht genug Anerkennung von seinem Chef bekam. Die daraus entstandene Folge war erweitertes Leistungsbedürfnis und zu hoher Blutdruck. Doch das grundlegende Thema war, dass auch schon sein Vater das Thema kannte und nicht gelöst bekam. Er hatte das Thema von seiner männlichen Linie übernommen. Die Systemiker kennen diese Verbindungen.

Die Lösung des O-Effekts im Coaching.

Die zweite Erkenntnis des Effekts ist jedoch das Prinzip, dass durch geeignete Ersatzhandlungen auch ein Abbau der erhöhten Spannung erfolgt. Es gibt ersatzweise Handlungen, welche dazu führen, dass das Potential gesenkt werden kann. Also brauchen wir Ausgleichshandlungen, welche die betroffenen Menschen und Verantwortlichen mit einbeziehen. Das kann auch symbolisch geschehen durch Rituale oder rituelle Handlungen erfolgen.

Bedeutung für das Coaching

  • Für das Coaching ist das großartig. Es bietet eine ganze Reihe von spannenden Lösungswegen, die dazu führen, dass das Feld, welches zu einem Problem gehört abgebaut werden kann. Der Begriff, den die Lewin Schülerinnen benutzen war: Ersatzhandlungen. Was kann das zum Beispiel sein:
  • Systemisch: Loslass- und Rückgaberituale
  • NLP: Aufbau neuer Kompetenzen und diese in den herausgearbeiteten Situationen verankern. Oder Walking BeliefChange
  • Verhalten: Situationen im Jetzt finden, die Ähnlichkeiten mit diesen Situationen haben und sich in einen kraftvollen Zustand bringen und neue Lösungen erschaffen. Wenn das klappt, ist der Auftrag der Vergangenheit auch annähernd erfüllt. Es fehlt nur noch, dies mit dem Alten in Verbindung zu bringen.

Die Lösung liegt also nicht darin, solange das Gefühl wieder neu zu entfachen, bis man gefühlt wieder im gleichen Leiden ist, sondern in den Kontakt mit dem Thema zu kommen und dann eine ausgleichende Handlung zu machen. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Aus Erfahrung braucht es für verschiedene Themen mehrfache Durchführung, doch mit der Unterstützung des Coachings und NLP Methoden kann das gut optimiert werden.

Wir bieten in unseren Ausbildungen dafür regelmäßig Lernraum.