Weitere wichtige Begriffe des NLP

Die Sprache des NLP ist ein eigener Dialekt, der hilft komplexe Aspekte des Denkens einfacher auszudrücken. Neben Repräsentationssystemen und VAKOG hier noch ein paar weitere wichtige Begriffe und Konzepte, die im Laufe des Buches immer wieder vorkommen.

States

Stellen Sie sich vor wie Sie Ihr letztes Diplom erhalten haben. Was haben Sie dabei erfahren oder was gehört und wie ging es Ihnen dabei. Wenn Sie das wieder innerlich nachvollziehen können, dann spüren Sie vielleicht auch den Stolz, der dazu gehörte. Jetzt sind innere Bilder, Töne, Gefühle und vielleicht sogar Gerüche gleichzeitig aktiv. Wenn es ein erfolgreicher Tag war, wird sich ihr Zustand jetzt sich auch ein wenig verändern. Diese Repräsentation des Erlebnisses verändert ihr Erleben im Jetzt. Das ist also laut NLP ein erinnerter „state“ oder Zustand.

Oder: wie geht es Ihnen jetzt in diesem Moment. Kraftvoll, müde oder entspannt. Und wie wissen Sie, dass Sie jetzt genau so sind? Was auch immer Sie gerade erleben. Nach NLP sind Sie jetzt in einem „state“!  Eine bewusste Wahrnehmung und Steuerung dieser „states“ ist ein Qualitätsmerkmal eines Coaches. Doch auch eine Fähigkeit des Menschen: Es hilft, sich in schwierigen Situationen wohl zu fühlen. Es ist nützlich in der Kommunikation mit Anderen oder auch für ein zielgerichtetes Handeln. Die „states“ drücken sich immer auch in unserer Physiologie und in unserer Körpersprache aus. Unter anderem auch in unserem Muskeltonus, in der Atemfrequenz und in hormonellen und neuro- und biochemischen Vorgängen.  Also hat ein „state“ auch einen Eindruck im Körper wie auch im Geist.

Das Spannende ist, dass Zustände nicht fest sind. Sie verändern sich ständig. Mal ist man in einem Hoch mal in einem Tief. Vielleicht ein wenig wie das Wetter. Genauso gibt es Menschen für die ist ein Tief normal und manche Menschen leben in einem Umfeld von Hoch. Wenn bei den Hochs mal eine Wolke am Himmel auftaucht, dann ist das gleich eine Katastrophe und kündigt einen Sturm an. Für die Tiefs wäre ein Wetter mit nur einer Wolke geradezu grandios.

Grundzustand: Es ist daher interessant, herauszufinden, wodurch sich der Grundzustand auszeichnet, in dem sich der Klient im Alltag sehr häufig befindet. Wie ist die Grundstimmung? Mit welchen Gefühlen spricht er und was strahlt er aus? Was ist der typische Energielevel? Dieses ist auch von der Tagesform abhängig, doch bei den meisten Menschen gibt es charakteristische Grundzustände, die zumindest für größere Zeiträume vorherrschen. Wenn sie den Grundzustand kennen, ist es leichter zu überlegen: Was möchte ich verändern? Wo möchte ich gerne mehr Energie, eine andere Ausstrahlung und einen anderen Fokus, der mich auch meinen Zielen näherbringt? Aber den Klienten erleben wir zu Beginn leider im Tief. Also, nach NLP, in einem Stuck-State.

Stuck-State: Mit „Stuck-State” bezeichnen wir im NLP einen Zustand, der sich festgefahren oder blockiert anfühlt. Der Klient hat nicht den vollen Zugriff auf seine Ressourcen und es fällt ihm schwer, seine Fähigkeiten einzusetzen. In diesem Zustand ist er nicht entspannt, sondern von negativen Emotionen und Gedanken beherrscht. Die Atmung ist flach und die Sinneswahrnehmung reduziert. Den Klienten jetzt aus seinem festgefahrenen Zustand heraus zu führen, ist die Hauptaufgabe des Coaches. Erst Handlungsfähigkeit, Kompetenzerleben und Wahlmöglichkeiten verändern den inneren Zustand hin zum Positiven.

Ressourcenzustand: Ein positiver Ressourcenzustand bedeutet, viele Wahlmöglichkeiten im Inneren zu spüren. Der Mensch ist im Einklang mit sich selbst. Die Sinneswahrnehmung ist intensiv und positive Gefühle überwiegen. Die Selbstwirksamkeit ist erhöht und es erscheint leicht möglich, persönliche Fähigkeiten einzusetzen. Allein diese Art von positivem Denken öffnet die Herzen der Menschen und erschafft positive Resonanz, so dass die Dinge auch leichter geschehen.

Flowstate: Dieser Zustand zeichnet sich durch einen kraftvollen langanhaltenden Energiefluss im Menschen aus. Ein Gefühl von „alles geht“ macht sich breit und ein besonders Gefühl im Erschaffen von Dingen und in der persönlichen Lebendigkeit zeigt sich dabei. Geprägt und Erforscht wurde dieser Zustand vor allem von Mihály Csikszentmihályi[i], der es als völlig fokussierte Konzentration beschrieb. Vielleicht kennen Sie das Gefühl, wenn Sie Joggen und plötzlich immer weiterlaufen können. Oder wenn Sie kreativ tätig sind und vielleicht ein Bild malen. Zwar spürt man hin und wieder die leichte Erschöpfung, aber die existierende Motivation, den nächsten Teil vom Bild zu malen, gibt immer wieder neuen Auftrieb und Energie.

Alle diese Zustände können heute in wissenschaftlichen Worten beschrieben werden und beinhalten oft einen Aktivierungslevel bestimmter Neuronen und Einsatz von Neurotransmittern. Die Regelung der Serotonin Ausschüttung und Wiederaufnahme oder die Verteilung des dopaminergen Systems und dessen Botenstoff Dopamin spielen dabei sowohl im Guten als auch im Schlechten eine wesentliche Rolle[ii]. Näheres dazu findet man in der Literatur.

State Management

Doch das Wichtigste an den States ist es, dass Sie diese bewusst verändern können.   Der eine kann es mehr, der andere weniger gut. Zum einen ist es eine Einstellung, zum anderen ist es auch eine Frage des Trainings. Stellen Sie sich doch einfach mal die Frage, in welchem Zustand Sie jetzt gerade sein wollen? Und wie bekommen Sie das hin. Sind Sie Sklave Ihrer Gefühle oder gibt es einen Raum für Wahlmöglichkeiten. Als Coach kennt man Mittel und Wege den State zu verändern. Der Schlüssel dazu ist es, die eigenen positiven Erinnerungen, welche zu den gewünschten Zuständen gehören zu hegen und zu pflegen. Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit an Situationen zu denken, welche Ihnen Kraft, Freude, Souveränität oder Ruhe geben. Erinnern Sie sich mit allen Repräsentationssystemen daran, bis Sie das Gefühl wieder wahrnehmen können. Also holen Sie sich ein Bild, denken Sie an die Geräusche und Stimmen, die Gerüche und vielleicht sogar den Geschmack und das Gefühl. Wenn das öfters stattfindet, prägen sich die Zugriffsbahnen zu dieser Erinnerung im Gehirn ein. Dann haben Sie in Zeiten, bei denen Schwierigkeiten Ihren Weg kreuzen, die Möglichkeit auf diese Erinnerungen schnell zuzugreifen. Und damit können Sie manches ungute Gefühl neutralisieren und wieder handlungsfähig werden. Dies ist das Grundprinzip des State Managements. In Studien haben wir unterschiedlichste Menschen interviewt und haben diese Fähigkeit bevorzugt bei sehr erfolgreichen Menschen festgestellt – Mentaltraining in seiner reinsten Form.

Innere Ressourcen:

Im NLP gehören diese unterschiedlichen positiven Erinnerungen zu den Ressourcen. Diese sind der Kraftstoff, der im Gehirn frische Motivationsenergie erzeugt. Innere Ressourcen können vieles sein: Gute Beziehungen zu anderen Menschen oder Wissen oder Gefühle, unsere Talente und Fähigkeiten, Attraktivität, Geld, Gesundheit oder Spiritualität. Ressourcen sind vor allem auch erlebte Prozesse, die man positiv bewältigt hat – also gelernte Erfahrungen, welche die eigene Kompetenz steigerten. Das ist inneres Potential. Statemanagement bedeutet, Mittel und Wege zu finden, das vorhandene Potential zu öffnen und zu entwickeln.

Übung – Statemanagement mit Ressourcen

Wie kommen Menschen in Kontakt mit Ihren Ressourcen? Das ist ganz einfach. Stellen Sie sich eine Situation in Ihrem Leben vor in der Sie völlig entspannt waren. Und jeder Mensch war dies einmal in seinem Leben – da bin ich mir ganz sicher. Und jetzt visualisieren Sie sich diese Situation. Wo waren Sie genau? Sind noch andere Menschen in Kontakt mit Ihnen dabei. Wie sieht die Umgebung aus? Was hören Sie, wenn Sie ganz in der der entspannten Situation sind? Lassen Sie sich Zeit, dass diese Situation wirklich hervortritt und für Sie wieder nachvollziehbar wird. Was fühlen Sie dabei? Verändert sich die Atmung oder der Puls bei Ihnen? Wie ist das Gefühl und wo im Körper können Sie das wahrnehmen. Bleiben Sie etwa zwei Minuten in diesem Zustand und halten Sie die Erinnerungen aufrecht.

Oder versuchen Sie einmal anders herum. Stellen Sie sich bei gefühltem Stress aufrecht hin, stemmen Sie die Hände in die Hüften und die Füße etwas auseinander. Nehmen Sie diese Gorillahaltung auch etwa zwei Minuten ein ohne sich vom Platz zu rühren. Auch hier haben Studien haben ergeben, dass Ihr Stresslevel um bis zu 60% sinkt. Denn die Körperhaltung ist auch eine Ressource.

[i] Flow : Klett-Cotta, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-608-94555-3 von  Mihály Csíkszentmihályi

[ii] Siehe Webseite DasGehirn.info :  https://www.dasgehirn.info/entdecken/kommunikation-der-zellen/neurotransmitter-2013-botenmolekuele-im-gehirn-5880
und
K. McGowan, A. Kane, N. Asarkof, J. Wicks, V. Guerina, J. Kellum, S. Baron, A. R. Gintzler, M. Donowitz: Entamoeba histolytica causes intestinal secretion: role of serotonin. In: Science. 221, Nr. 4612, August 1983, S. 762–764, PMID 6308760.

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