Struktur im Coaching

Der CoachingCircle von Markus Röder
Quelle: Markus Röder/Coachingcircle

In den vorherigen Kapiteln haben wir uns mit Grundlagen der Interaktion von Menschen beschäftigt. Für einen professionellen Kommunikator ist das noch nicht genug. Für das Coaching braucht es eine strukturelle Basis. Dies ist für Anfänger im Coaching ebenso wichtig wie für erfahrene Coaches, die sich in schwierigen Situationen auf die Effizienz eines funktionierenden Ablaufs verlassen möchten.

Warum können Strukturen im Coaching hilfreich sein? Zum einen gibt ein nachvollziehbarer Ablauf dem Klienten Sicherheit und erschafft einen Glauben an die Machbarkeit. Ihre Arbeit wird skalierbar und wiederverwendbar. Manche Coaches landen durch Ihre Empathie vielfach Glückstreffer in der Veränderungsarbeit. Die Kunst ist es, dies zu systematisieren. Wenn Sie zum Arzt gehen, erwarten Sie bestimmte Vorgehensweisen. Das ist in der Regel auch für Menschen so, die sich zu einem Coaching entscheiden. Je professioneller und nachvollziehbarer der Grundablauf – nicht der Inhalt – ist, desto professioneller erscheint der Coach. Dies wird sich auf den Klienten übertragen.

Eine ritualisierte Durchführung bringt im Coaching eine haltende Struktur für alle Beteiligten. Für den Ausführenden bringt es Kraft. Der Klient/Kranke öffnet seinen Glauben an Heilung und sollten Zuschauer dabei sein, bekommen diese den Eindruck, dass alles was da geschieht einen Sinn hat. Sie würden wissen, auf was sie sich einstellen können, sollten sie selbst gecoacht werden. Nicht umsonst gibt es in vielen Kulturen, Unternehmen, und Religionen Rituale, die einer festen Form folgen. Der Hintergrund ist immer Sicherheit und Vertrauen zu erschaffen. Etwas auf das man aufbauen kann. Auf der Suche nach wiederholbaren Strukturen entwickelte ich im Laufe meiner Arbeit drei verschiedene Modelle. Das interessanteste und am leichtesten zu lernende System ist das Struktur-Verantwortungs-Modell, auf dem der CoachingCircle basiert. Dieser ist eine Sammlung von Vorgehensweisen, die viele Bereiche einer typischen Coaching-Sitzung beinhaltet und auch in anderen Lehrbüchern auf ähnliche Art beschrieben wird. Aber beachten Sie: Niemand wird außerhalb einer Lehrstunde dieses Prinzip immer vollständig durchführen, doch werden Teile davon in den meisten Gesprächen benutzt.

Ein weiterer Grund für die Verwendung einer Struktur im Coaching ist auch der Theorie von Iain McGilchristi, dass unser Gehirn zwei Hemisphären hat, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Nach einem Modell, dass in den siebziger Jahren entstanden ist, soll eine Gehirnhälfte mehr für die ordnenden und strukturierten Abläufe zur Verfügung stehen und die andere Hälfte mehr für Fühlen, Kreativität, räumliche Darstellung. Entstanden ist das Model aus Beobachtungen an Split-Brain-Patienten, bei denen eine Trennung von rechter und linker Gehirnhälfte durch Unfall oder Krankheit stattfand. Damit konnte man die Funktionen der Hemisphären getrennt beobachten. Dieses Model ist zwar heute etwas verändert, doch kann man es immer noch gut für Erklärungen nutzen. Da meine Annahme ist, dass nur ein komplett genutztes Gehirn optimale Lösungen bringt, brauchen wir im Coaching auch die Fähigkeit, beide Hemisphären anzusprechen. Das bedeutet, dass die strukturierende und die kreative Seite miteinander Lösungen erschaffen.

Der Coaching Circle besteht daher auch aus zwei Bereichen. Zum einen aus einem äußeren strukturierenden Außenkreis und einen inneren kreativen Bereich.  Der Coach kann zuerst einmal den äußeren Strukturen folgen. Damit ist er immer auf dem richtigen Weg. Neben der Vorbereitung und dem guten Kontakt braucht es ein Ziel und eine Lösungsarbeit. Doch hinter diesen Ebenen stecken eben die Stolpersteine. Manchmal erscheinen diese bei der Zielearbeit. Manchmal erst beim Lösungsformat und bei Klienten, die man länger kennt, gerne schon ganz zu Anfang des Gesprächs. An dieser Stelle wird der innere Kreis wichtig und der Coach überprüft mit seinem Klienten die Ebenen, wo das aktuelle Thema gerade hängt. Diese inneren Bereiche sind die Bereiche in denen ein Prozess stattfinden darf. Hier ist auch die emotionale Beteiligung des Klienten am höchsten und die Lösungen am intensivsten. Daher habe ich in den folgenden Kapiteln diesem Weg die meiste Arbeit gewidmet.

Sollten Sie als Coach den Weg in die Tiefe nicht finden oder wollen, so bleibt doch der äußere Bereich, den man heute als lösungsorientiertes Coaching betiteln würde und das immer auch hilfreich ist. Aufbau von neuen kraftvollen Lösungswegen und durchbrechen alter festgefahrener Wege. Das ist der äußere Rahmen. Der innere Rahmen geht an den Bereich, weshalb das entstanden ist und wie das voneinander abhängt. Wenn Sie dies lösen, kommt zum Neuen noch das Verständnis oder auch eine tiefe emotionale Lösung mit dazu. Das erschafft beim Klienten Frieden mit seinem Problem State. Aber dazu später. Schauen Sie sich jetzt erst einmal das folgende Bild an.