Kompetenzerweiterung

Wenn Sie ein Coaching durchführen, dann sollte eine Frage im Mittelpunkt stehen. Was ist der zentrale Aspekt, der als leuchtender Stern über den kompletten Ablauf schwebt. Und hier gibt es eigentlich nur eine einzige Antwort: Die Kompetenzerweiterung des Klienten sollte immer am Ende eines Coachings vorhanden sein. Des bedeutet, dass sein Denken weiter wird und das Thema und dessen komplexe Zusammenhänge vom Klienten plötzlich selbst verstanden werden. Er erweitert damit die eigenen Fähigkeiten mit neuen Möglichkeiten. Leider hört sich das für die Praxis leichter an als getan, denn Fallen auf dem Weg dorthin lauern überall. Hier ein Beispiel, wie es auch falsch laufen kann, obwohl die Zielrichtung die passende ist.

Wie Kompetenzerweiterung nicht stattfindet!

Der Coach und der Klient arbeiten zielorientiert an mehr Erfolg im Job. Der Klient weist darauf hin, dass er in einer anderen Sparte mehr verdienen kann und dadurch vielleicht mehr Erfolg hat. Das könnte natürlich ein Weg sein, doch wurde dabei nicht beachtet, was der Klient eigentlich mitbringt, was er schon kann, und was wahrscheinlich realistisch erreichbar ist. Im ersten Falle des rein monetär bezeichneten Erfolgs geht der Klient auch mit einem Gefühl von Zufriedenheit und einem leuchtenden Ziel nach Hause, aber er hat in keiner Weise seine Kompetenz erweitert.  Vielleicht werden sie einräumen, dass er doch durch das Ziel beginnen wird seine Kompetenz in diese Richtung anzustrengen, doch ohne die nötige Verknüpfung mit schon vorhandenen Fähigkeiten, ist das eine Anstrengung, die der Klient nur mit viel Energie umsetzen kann. Im normalen Ablauf der Welt werden in der Regel kurzfristige Aspekte und das, was der Klient zu lernen und umzusetzen hat, erst einmal wieder in den Vordergrund rücken.

Stellen Sie sich einen Heizungsthermostat vor, den sie auf 35° stellen. Die Kälte draußen und die Leistung der Heizung lassen aber nicht mehr als 25° Erwärmung zu. Das Endergebnis ist dauernde Leistung ohne das Ergebnis, das gewünscht ist. Und jetzt passiert das Gegenteil: im Lernsystem des Klienten festigt sich der Gedanke, es nicht zu schaffen. Und statt einer aufsteigenden Kurve werden negative Glaubenssysteme produziert: ich kann es nicht.

Stattdessen sollte man sich fragen, wie ein Ziel ausschaut, das stark genug ist und ihm dabei hilft, sich schrittweise anzunähern? Es braucht die Erfahrung, dass der Weg, den er geht, seine eigenen Kompetenzen erweitert und dass durch diese Schritte er sich selbst so regulieren kann, dass Überforderung nicht stattfindet.

Weitere Aspekte der Kompetenzerweiterung

Um zu wissen was Kompetenzerweiterung im speziellen Fall bedeutet, braucht man ein klares Bild des Klienten. Ein paar Fragen, die ich mir gerne dafür im Coaching beantworte, sind diese:

  • Welche Fähigkeiten lebt der Klient aktuell?
  • Welche Fähigkeiten sind in seinem Ziel definiert und
    welche Kompetenzen will er damit ausbauen?
  • Was ist die das Geschenk, dass der Klient der Welt zu geben hat und welche Kompetenzen braucht er für diese Lebensaufgabe? Achtung – oft kommt das erst nach längerer Coaching Zeit an die Oberfläche.
  • Welche Kompetenzen sind alleine durch die Familie bereits weitergegeben worden und wie nimmt der Klient diese an?

All diese Fragen werden meist nicht in einer Sitzung beantwortet, sondern sind Ergebnis der kompletten Zusammenarbeit. Doch je näher der Coach diesen Antworten kommt, desto leichter ist es, die Kompetenzerweiterung anzustreben, welche genau im Erschaffungsfeld des Klienten ist. Das bedeutet: er hat die Kraft, die Vorfähigkeiten, die genügend großen Schritte im Ziel, und den tiefen inneren Wunsch sich genau in diese Richtung zu erweitern. Und wenn dies der Fall ist, dann ist es ein Leichtes, Lösungen zu finden, Altes loszulassen oder Aspekte umzudeuten. Es braucht nur noch einen kleinen Impuls, denn Systeme streben nach Vollkommenheit und wenn es einen Weg gibt, der im System von allen Anteilen akzeptiert wird, dann findet ein Veränderungsprozess fast unmittelbar statt.