Entgrenzung und Burnout

„Könntet ihr mal eure Notebooks wegstellen und euch wenigstens mal mit uns hier unterhalten und verbinden?“ Und die Antwort der jungen Studenten ist: „Wieso? Wir sind doch mit der ganzen Welt verbunden!“ So oder ähnlich ist der Dialog zwischen alt ( 55 jährige) und neu ( 23 jährige Studenten) im Film „Wir sind die Neuen“.

Es gibt in den Möglichkeiten der virtuellen Verbindung keine Grenzen mehr. Und das ist nur ein Aspekt dieser Entgrenzung. Als Selbstständiger, der seinen Traum zum Beruf gemacht hat, musste auch ich mich mit diesen Themen auseinandersetzen. Und auch als Coach kenne ich dieses Prinzip der Entgrenzung im Unternehmen. Die Zeiten des 8 bis 16 Uhr Jobs sind vorbei. Anrufe von Kollegen und Chefs bis in die Nacht sind in manchen Unternehmen und Bereichen üblich. Der Arbeitnehmer wird zum immer verantwortlichen selbstständigen Mitarbeiter. Es gibt keine Grenzen mehr. Das ist die Entwicklung dieser Welt. Es ist eine Öffnung der Grenzen im Geist, was jedoch wieder Wirkung auf  das Gesamtsystem des Körpers hat. Und Geist und Körper braucht Grenzen und Strukturen.

Strukturen im sozialen erschaffen Vertrauen und Sicherheit. Strukturen in der Erwartung der Leistungsanforderung geben dem Gehirn das Gefühl, dass es ein Ende gibt und dass es irgendwann loslassen kann, Leistung zu zeigen.  Das bedeutet das Gehirn reduziert die Anforderung an Energie an den Körper und der Wechsel vom sypathischen zum parasympathischen Abläufen beginnt. Entspannung, Verdauung, Immunsystem  und Sexualität steigen an.

In der Entgrenzung jedoch bleibt Körper-Geist System im Alarmzustand. Daher ist es für viele Menschen wichtig, sich klare Strukturen zu suchen, die helfen. Alleine schon die Grenzen der Schlafenszeit zu setzen . Nicht mehr bis tief in die Nacht  vor Arbeit oder sozialen Netzwerken sitzen; stattdessen den Schlaf pflegen. Denn erst durch den Schlaf ergibt sich Regeneration des Körpers, ein Aufräumen im Immunsystem und ein Aufräumen im Denken. Denn ohne Schlaf würde das Gehirn nicht ausreichend die Erfahrungen verarbeiten und unnötiges loslassen. Was wiederrum zu einem vollen Geist führt.

Ein weiteres Ziel für intere Strukturen ist auch der Umgang mit den sozialen Medien. Wenn dass nicht gerade der Hauptjob ist, braucht es eine Medienkompetenz, die auch Grenzen setzt. Gerade im Gerausche des täglichen sozialen Internetrumors vergleicht der Geist sich gerne ständig. Dies erschafft einen Sog nach mehr oder fühlt sich so an,  nicht genug zu zeigen oder zu produzieren. Was die Anderen doch alles so Tolles tun.

Aus der Sicht von NLP und Coaching fehlt es dann oft auch an der Selbstverantwortung mal Grenzen zu setzen. Wer es lernt, sich abzugrenzen erschafft eine innere Kompetenz. Damit kann man vielleicht nicht die Welt erobern, doch man kann sich wieder erholen und regenerieren. Wer es schafft sich heilende Strukturen von Zeiten mit Sport und Meditation, mit Sofa ohne Medien oder  Natur ohne Leistung. Und vor allem mit einem stabilen sozialen Feld.

Wer es nicht schafft braucht ständig Energie. Diese kann natürlich lange zur Verfügung gestellt werden, doch irgendwann brennt das System aus. Burnout und Überforderung sind das Ergebnis. Und dann braucht es Grenzen, weil es einfach nicht mehr geht.

Im Coaching kann man kraftvolle Ziele und neues Wege anvisieren. Höher, schneller, weiter. Doch bitte gleich mit der Struktur und den Grenzen, die dazu gehören. Dann kann es ein wachsendes System werden. Wachstum braucht Struktur.